Erinnerungen von Hans Kolm

Hans Kolm (Sohn von Berta & Johann Kolm): "Meine Eltern legten 1935 in Unterweißenbach den Grundstein des heutigen Unternehmens. Nach dem Krieg 1945 war das Geschäft leergeräumt und sie begannen abermals bei null. Wir hatten ein Gemischtwarengeschäft und handelten mit allem Notwendigen des täglichen Lebens: von Petroleum über Kuhketten, gepressten Knöpfen, Lebensmitteln, allem Möglichen. Durch den Handel mit Flachs bildete die Stoffabteilung bald einen Schwerpunkt und stelle die wahre "Profession" meines Vaters dar."

 

Järhlich war umgebaut worden und wir Kinder kamen stets in den Ferien zum Handkuss, als "Zuaroacha" wie man so zu sagen pflegte. Angefangen vom Brettl zusammenschneiden, bis hin zum Nägel gerade klopfen - damals nach dem Krieg waren Baumaterialien äußerst rar. So wurde alles verwertet, was irgendwo noch zu verwerten war.

 

Kurz nach dem Krieg sind wir bereits nach Wien einkaufen gefahren. Wir waren eine der ersten Familien, die eine VW-Käfer aufgabelten, mit welchem wir regelmäßig zwischen 3 und 4 Uhr in der Früh aufbrachen, um auf der Nord-Route über Gmünd, Horn und Manhartsberg nach Wien zu fahren. Für heute gänzlich unvorstellbar, erst wenn man in die Umgebung von Horn kam, begegnete einem das erste Auto. So stellte sich damals die Verkehrssituation dar. Fahrzeuge der erste Stunde waren neben ausrangierten Lastwägen und Furhwerken, alte Tatras oder VW-Käfer. Wenn dann so ein Fahrzeug auftauchte, begann man vor lauter Begeisterung schon von Weitem zu Winken.
Im Winter stellten sich die Fahrten als abenteuerliche Unternehmungen dar. Die Straßen wurden kaum geräumt, nur mit viel Schwung und fahrerischem Geschick ließen sich Schnee-Wechten überwinden. Solche Fahrten waren stets abenteuerlich und gingen nicht immer gut aus.

 

Die Rückfahrten waren nicht minder spannend. Das Auto war dermaßen beladen, dass der Beifahrer mit Waren eingepackt war und nach vorne nur durch ein kleines Guckloch sehen konnte. Mein Vater war ein Meister im Schlichten. Dieses Talent wurde beim Ausladen erst richtig erkennbar. Als man den Warenberg auf dem Verkaufspult liegen sah, war man immer wieder erstaunt über das Ladevolumen des kleinen VW-Käfers.

 

Eines Tages brachte mein Vater Körbe von seiner Einkaufstour mit und erklärte meiner Mutter, wie ab sofort der neue Ablauf im Geschäft zu regeln war. Den Kunden sollte beim Betreten des Geschäftes jene Körbe in die Hand gedrückt werden, in welche sie ihre Waren selbständig zu deponieren hatten. Meine Mutter war skeptisch, doch mein Vater bewies Weitblick und setzte sich durch. Selbstbedienung gilt heute als Standard in der Lebensmittelbranche. Selbst gezogenes Obst und Gemüse wie Tomaten oder Ribisel, wurden ebenfalls im Geschäft zum Verkauf angeboten. Jede Möglichkeit ein wenig Zusatz-Umsatz zu generieren, wurde rührend und mit enormem Einsatz genützt. Durch Bescheidenheit und Geschäftssinn ließen sich wirtschaftliche harte Zeiten meistern.

 

Nach dem Krieg wurd ein riesiger Tank eingebuddelt und somit hatten wir eine Tankstelle. Eine Mitarbeiterin war ausschließlich für das Betanken von Fahrzeugen mittels Handpumpe zuständig. Neben dem Handel mit Kohlen war das eine weitere Einnahmequelle.

 

Wenn ich die Geschichte Revue passieren lasse spüre ich, dass diese Erinnerungen für mich sehr bewegende Momente darstellen. Sie zeigen im Grunde genommen, dass die Eltern für das Geschäft lebten und trotzdem  stets für die Familie Zeit hatten. Wir waren eine glückliche Familie und entsprechend behütet haben wir die freien Sonntag-Nachmittage erlebt. Wir sind ins Tanner Moor (Hochland bei Liebenau) gefahren, sind auf Berge gewandert und erlebten gemeinsam geruhsame, schöne Zeiten.